Mein Pferd hat Probleme mit dem Rechtsgalopp – woran kann das liegen?
Viele Reiter kennen das Problem. Das Pferd springt schlecht in den Galopp, nimmt immer wieder den falschen Galopp oder verweigert besonders eine Seite (Rechts- oder Linksgalopp). Schnell entsteht der Eindruck, das Pferd sei „schief“, „unwillig“ oder schlicht nicht korrekt gearbeitet.
Doch Probleme im Galopp sind sehr oft kein reines Trainingsproblem, sondern ein Hinweis auf biomechanische Einschränkungen, die das Pferd im Alltag kaum zeigt – im Galopp aber deutlich werden.
Was ist der Galopp für eine Gangart?
Der Galopp ist die anspruchsvollste Gangart des Pferdes – biomechanisch wie koordinativ.
Der Galopp ist ein Dreitakt
Beim Rechtsgalopp sieht die Fußfolge vereinfacht so aus:
1. Linkes Hinterbein
2. Rechtes Hinterbein + linkes Vorderbein (diagonales Paar)
3. Rechtes Vorderbein (führendes Bein)
4. Schwebephase folgt
Im Linksgalopp ist die Abfolge entsprechend gespiegelt.
Was biomechanisch dabei passieren muss
Damit ein Pferd korrekt anspringen und im Galopp bleiben kann, braucht es:
- Aktive Hinterhand, insbesondere das innere Hinterbein
- Beweglichkeit im Becken und Iliosakralgelenk
- Rotation und Seitneigung der Wirbelsäule
- Stabile, aber elastische Rumpfmuskualtur
Der Galopp ist also keine „schnelle Gangart“, sondern eine hochkoordinierte Bewegungsform, bei der das Pferd Last aufnehmen, rotieren und balancieren muss.
Warum zeigen sich Probleme oft nur im Rechts- oder Linksgalopp?
Viele Pferde können Schritt und Trab problemlos ausführen – doch im Galopp werden Defizite sichtbar.
Der Grund:
Der Galopp fordert die asymmetrische Belastbarkeit des Körpers.
Häufige biomechanische Ursachen
- Eingeschränkte Hinterhand: Das innere Bein kann nicht ausreichend unter den Schwerpunkt fußen, Kraftübertragung nach vorne fehlt
- Becken- oder ISG-Problematik: Blockaden oder Bewegungseinschränkungen, Pferd „weicht aus“, indem es falsch anspringt oder kreuzt
- Rücken- oder Rumpfprobleme: fehlende Rumpfstabilität, mangelnde Aufwölbung der Wirbelsäule, Pferd fällt auf die Vorhand
- Kompensationen durch alte Verletzungen: frühere Lahmheiten, Narben oder muskuläre Dysbalancen, asymmetrische Belastungen
Was kann Galoppprobleme verschlimmern?
Häufig werden Galopprobleme durch gut gemeinte Trainingsmaßnahmen verstärkt. Wenn ein Pferd nicht korrekt anspringt, entsteht schnell der Impuls, mehr zu treiben, häufiger zu korrigieren oder den Galopp intensiver zu üben. Dabei steigt meist die Spannung im Körper, während Balance und Koordination weiter verloren gehen. Auch enge Wendungen, starkes Biegen oder viele Wiederholungen hintereinander können den Körper zusätzlich überfordern. Das Pferd versucht dann, sich über Ausweichbewegungen zu helfen – etwa durch falsches Angaloppieren oder Verweigerung.
Was kannst du selbst sinnvoll ausprobieren?
Im Alltag lohnt es sich, den Fokus zunächst auf Ruhe und Vorbereitung zu legen. Übergänge sollten aus einem ausbalancierten Schritt oder Trab entstehen, ohne Eile und ohne Druck. Wenige, sauber vorbereitete Galoppansprünge sind hilfreicher als viele Wiederholungen. Auch gleichmäßige Galopparbeit im Gelände, besonders auf leichten Linien oder leichten „Anstiegen“, kann die Balance fördern. Entscheidend ist, den Galopp nicht zu erzwingen, sondern dem Pferd Zeit zu geben, sich biomechanisch zu organisieren.
Wenn dein Pferd jedoch konsequent eine Galoppseite meidet, ist Training allein häufig nicht ausreichend.
Wann ist physiotherapeutische oder osteopathische Unterstützung sinnvoll?
Zeigt ein Pferd dauerhaft Probleme im Rechts- oder Linksgalopp, springt wiederholt falsch an oder wirkt im Galopp instabil, lohnt sich eine fachliche Abklärung. In der physiotherapeutischen und osteopathischen Befundung wird überprüft, ob Becken, Wirbelsäule und Rippen frei beweglich sind, wie das Iliosakralgelenk arbeitet und ob muskuläre Dysbalancen die Lastaufnahme behindern. Ziel ist es, dem Körper wieder die Voraussetzungen zu geben, den Galopp korrekt und ohne Ausweichstrategien ausführen.
Der Galopp ist eine sehr anspruchsvolle Gangart und zeigt ehrlich, wie gut ein Pferd seinen Körper nutzen kann. Schwierigkeiten im Rechts- oder Linksgalopp sind daher selten ein reines Trainingsproblem, sondern häufig ein Hinweis auf biomechanische Einschränkungen. Werden diese erkannt und gezielt unterstützt, kann sich der Galopp oft deutlich verbessern – ohne Druck und ohne Kampf.
